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Buchrezension: Catharina Aanderud, „Schatz, wie war dein Tag auf dem Sofa?“ Hausfrau – die unterschätzte Familienmanagerin

von Barbara Hofmann-Huber am 18. Juli 2006

Frauen und Karriere – nun als Hausfrau? Vielleicht wundern Sie sich, eine Rezension zu diesem Thema auf dieser Seite zu lesen. Angesichts dessen, dass das gesellschaftliche Interesse an Kindern in Deutschland wieder zunimmt, kommt dieses Buch zur rechten Zeit. Es behandelt nämlich die vielfältigen und qualifizierten Tätigkeiten, die mit der Arbeit in der Familie und damit auch der Erziehungsarbeit der Kinder verbunden sind. Für viele Frauen ist eine Karriere noch immer eine Karriere in zwei Berufen und zwei Verantwortungsfeldern: erfolgreich im Business und eine ebensolche Verantwortung in dem so genannten Familienbereich.

Die Autorin bricht zwar der Hausfrau als Vollberuf eine Lanze, sie selbst zeigt jedoch, dass sie ihre beruflichen Kompetenzen als Journalistin weiter lebt. Die 100%-Hausfrau ist sicher für sehr viele beruflich aktive Frauen nur eine Phase kurz nach der Geburt der Kinder. Danach sind sie in unterschiedlichen Prozenten in zwei Berufen tätig.

Die verantwortungsvolle Arbeit innerhalb der Familie schildert die Autorin kompetent und erfahren. Sie beschreibt, was es bedeutet, für die Regeneration und vor allem für die Erziehung verantwortlich zu sein. Familienarbeit bewegt sich in einem Spannungsfeld: sie ist eintönig und hoch qualifiziert zugleich. Sie erfordert eine hohe Selbstorganisation und zugleich Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Sie beinhaltet Einsamkeit und zugleich keine Zeit für sich zu haben. Sie bringt es mit sich, sich einerseits einzigartig zu fühlen und das für die Kinder auch zu sein – und sich andererseits wie der letzte Fußabstreifer zu vorzukommen, weil jeder Kleinkram auch noch jenseits jeder Zeitgrenze in den eigenen Verantwortungsbereich fällt. Diese umfassenden Kompetenzen, die nötig sind, um einem Kind einen vertrauensvollen Zugang zur Welt zu vermitteln, macht die Autorin an vielen anschaulichen Beispielen deutlich. Das Verantwortungsfeld Familienarbeit besteht vor allem aus der Qualität der Fürsorge: sich zuständig zu fühlen und alles dafür Notwenige zu organisieren, dass die Kinder, aber auch andere Angehörige, sich umsorgt wissen. Genau diese Arbeit ist nicht sichtbar, doch wenn sie nicht mehr auf einem hohen Qualitätsniveau statt findet, schafft das sichtbare Konsequenzen: das zeigt sich z.B. in der Pisastudie ebenso wie in vielen Bindungsproblemen von Kindern, die wiederum eine Lernbarriere darstellen.

Das Verantwortungsfeld der Familienarbeit sichtbar zu machen und es vor allem als eine umfassende Arbeit mit vielfältiger und anspruchsvoller Qualifikation in unser Bewusstsein zu heben ist das Hauptanliegen der Autorin. Ob Familienarbeit als Vollzeittätigkeit oder Teilzeit in Verbindung mit Erwerbsarbeit durchgeführt wird, das sollte nicht mehr das zentrale Thema und vor allem nicht Konkurrenzplatz zwischen Frauen sein. Denn die Verantwortung für das Gelingen ist bei sehr vielen Frauen zu 100% gegeben, auch wenn sie nicht alle Teiltätigkeiten selbst ausführen. Genau darin besteht ja die Managementaufgabe.

Ich sehe den Wert diese Buches darin, dass die Autorin deutlich macht: ohne die Wertschätzung der Familien- und Beziehungsarbeit durch die Gesellschaft werden sich gerade die hochqualifizierten Frauen sehr genau überlegen, ob sie sich diese Tätigkeiten, auch noch unbezahlt, zumuten werden. Zugleich ist genau diese Fürsorgetätigkeit der wichtige soziale Boden für eine auf gegenseitiger Achtung und Wertschätzung basierende Gesellschaft.

Kösel Verlag 2006
ISBN 3-466-30720-1

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